„Möchten Sie Ihren Kaffee gerne hier trinken oder zum Mitnehmen?“ Diese Frage hören viele Gäste täglich an ihrer Espressobar. Oft genug antworten manche selbstbewusst mit „In der Tasse natürlich“, manchmal mit dem kleinen Zusatz „Man muss ja nicht mehr Müll produzieren als nötig.“ Das ist sicherlich eine noble Geste, die beweist, wie viele Menschen sich wirklich Gedanken um unsere Umwelt machen und sich darum bemühen, in ihrem Alltag möglichst ressourcenschonend zu leben. Doch stellt sich trotz allem die Frage, ob die gute Absicht auch gerechtfertigt ist: Was belastet die Umwelt in seiner Entstehung tatsächlich weniger, Becher oder Tasse?
Etwa seit Ende der 1990er Jahre, spätestens wohl seit der Eröffnung der ersten Starbucks-Filiale Deutschlands 2002 in Berlin, hat der Pappbecher seinen festen Platz in der deutschen Kaffeelandschaft eingenommen. Manche sprechen gar von einer
Pappüberschwemmung, die vor allem auf unsere schnelllebige moderne Zeit zurückgeführt wird – auch der größte Genuss ist heute eben oft mal nur “to go“. Dadurch steigt natürlich auch die Produktion von Kaffeebechern in Plastik oder Pappe an, die rund 150 Liter des schwarzen Muntermachers, die der Durchschnittsdeutsche im Jahr trinkt (Stand: 2010) wollen ja schließlich zum Munde transportiert werden. Doch auch das gute alte Porzellan hat noch nicht ausgedient; gerade wer an einem festen Standort oder im Büro arbeitet, gesellt sich gern mal mit seiner Tasse zu einer kurzen Kaffeepause mit Kollegen und genießt die damit verbundenen Minuten der Ablenkung vom Arbeitsalltag. Oftmals mit einem entspannterem Gewissen als der Kollege, der terminbedingt seinen Cappuccino auf dem Weg zur U-Bahn aus seinem Becher schlürft. Doch ist unser Gewissen, wenn wir eine Tasse statt eines Bechers benutzten, wirklich so rein, wie wir meistens glauben? Forschungsergebnisse zeigen Erstaunliches:

Denn bei einer genauen Gegenüberstellung der Ökobilanzen der beiden Konkurrenten müssen nicht nur die Grundmaterialien, sondern auch Faktoren wie Verarbeitung, Transportwege, Entsorgung oder Reinigungsaufwand beachtet werden. Diese verursachen in vielen Fällen Kosten oder Energieverbrauch, der häufig beim Vergleich vergessen wird. Papier- oder Plastikbecher haben zwar unbestritten die schlechte Eigenschaft, dass sie in den allermeisten Fällen nach der ersten Benutzung weggeschmissen werden und somit mehr Müll verursachen. Dafür ist ihre Herstellung aber, was den Verbrauch von fossilen und nachwachsenden Rohstoffen betrifft, wesentlich aufwändiger als die ihrer Pappkameraden. Der Fachredaktion des Wissensressorts der Süddeutschen Zeitung nach entspricht die Energie- und Abfallbilanz einer einzigen Keramiktasse in etwa der von 294 Papier- oder 1800 Plastikbechern. Das würde bedeuten, dass eine Keramiktasse die Umwelt in etwa so stark wie 1800 Plastikbecher belastet. Wichtig zu beachten ist hierbei allerdings, dass Tassen ihre Umweltbilanz mit ihrer Gebrauchsdauer erheblich verbessern können. Eine Ökoeffizienzanalyse für Serviceverpackungen im Außer-Haus-Bereich der BASF aus dem Jahr 2004 kam zu dem Ergebnis, dass die so genannte „Bruchrate“ den Ausschlag für oder gegen die Mehrwegentscheidung gibt: bei niedriger bis normaler Bruchrate ist Mehrweggeschirr ökologisch vorteilhafter, so die Forscher, bei hoher Bruchrate (ab ca. 3%) haben Einwegverpackungen allerdings die Nase in der Ökobilanz vorn.
Es kommt also alles in allem darauf an, wie sorgsam man mit dem Trinkgefäß seiner Wahl umgeht. Wer die Ökobilanz dank geringer Bruchraten niedrig hält, kann auch in Zukunft seinen Kaffee mit gutem Gewissen aus der Tasse genießen. Und wer sich nun in seiner Becherwahl bestätigt fühlt, kann vielleicht trotzdem einmal überlegen, ob der ergänzende Plastikdeckel unbedingt immer nötig ist – der ist nämlich in der Ökobilanz meist nicht mitgerechnet.

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