Montag, 8. August 2011

Begeisterung ganz objektiv

Hautnah dabei bei der Weltmeisterschaft und dennoch nicht mit fiebern dürfen: Wie fühlt sich eigentlich ein Juror während des Wettbewerbs?

Sie stehen in der ersten Reihe, wenn sich die besten Baristi der Welt miteinander messen. Sie können den Kaffeemeistern direkt über die Schulter und auf die Finger schauen, bekommen die ausgefallensten Kreationen serviert und dürfen doch ihrer eigenen Begeisterung nie so ganz nachgeben – schließlich müssen die Juroren auch bei einer Großveranstaltung wie der Kaffee-Weltmeisterschaft 2011 in Maastricht vor allem eines: objektiv bleiben. Obwohl das manchmal sicherlich ganz schön schwer ist, wenn man von den Besten der Branche ihre Meisterwerke serviert bekommt, und dann auch noch mit so einem charmanten Lächeln…

Chicco di caffé-Expertin Agnes Unterforsthuber, Regionalleitung München und verantwortlich für den Einkauf, kennt diese Situation genau: Sie war als offizielle Jurorin bei der SCAE World of Coffee von 22. bis 24. Juni in Maastricht dabei. „Bereits einen Tag vorher haben wir judges uns zu einem Workshop getroffen, in dem wir noch einmal genau gebrieft wurden und unsere Bewertungen aufeinander abgestimmt haben“, berichtet Agnes. Neben einem Wissenstest, den alle Juroren bestehen müssen, wurde mit Probebaristi fleißig geübt, um zu garantieren, dass die Notenvergabe im Wettbewerb professionell und fair abläuft.

An den folgenden beiden Tagen hieß es dann volle Konzentration und alle Sinne auf den Espresso richten. In den fünf Kategorien Coffee in Good Spirits, World Brewers Cup, Cezve/Ibrik, Cup Tasters und natürlich Latte Art traten die besten Vertreter ihres Landes gegeneinander an. Bei dem hochklassigen und dichten Teilnehmerfeld 2011 war es kaum verwunderlich, dass die Juroren einige besonders einfallsreiche Kreationen zu bewerten hatten. „Wegen einer neuen Regel musste zum Beispiel im Wettbewerb Coffee in Good Spirits dieses Jahr ein Getränk etwas mit dem Gastgeberland, den Niederlanden, zu tun haben. Dabei kamen wirklich sehr kreative Sachen heraus – vor allem natürlich mit Orange“, erzählt Agnes. Zwei Tage lang liefen die Wettbewerbsrunden, wurde auf höchstem Niveau gebraut, gegossen und verkostet, bevor die judges schließlich bekannt geben konnten, welche Teilnehmer in den finals antreten würden. Nicht selten stehen die Juroren dabei vor einer harten Wahl, wie Agnes weiß: „Das ist manchmal gar nicht so leicht, weil es relativ schnell gehen muss, und manchmal muss man sich schon noch beraten. Besonders bei Coffee in Good Spirits fällt die Bewertung oft schwer, weil es da einfach auch viel um den Geschmack geht.“

Schließlich waren die Kandidaten für die Endrunde des jeweiligen Wettbewerbs jedoch gefunden, die am Donnerstagabend mit dem World Brewers Cup-Finale begannen, bevor am Freitag die Könige der weiteren Wettbewerbe gekürt werden sollten. Doch nicht nur die Teilnehmer für die Finalrunde mussten bestimmt werden. Natürlich stellte sich auch die Frage, welchen der internationalen Juroren die Ehre zu Teil wird, die champions 2011 zu bestimmen. Für Agnes wurde es dieses Jahr leider nichts mit dem Finale, allerdings aus einem erfreulichen Grund: Zwei deutsche Teilnehmer hatten es in die letzte Runde geschafft und wurden aus Gründen der Fairness von Preisrichtern anderer Nationalität beurteilt. Dafür kam Agnes aber bei einem Wettbewerb zum Einsatz, der auf der Messe in Maastricht zum ersten Mal stattfand: „Mit drei weiteren Juroren durfte ich eine neue und ganz besondere Disziplin bei Latte Art bewerten. Die Teilnehmer haben tagsüber an einem Stand auf der Messe Motive gegossen und hatten 10 Minuten Zeit, einem Fotografen ihr schönstes Motiv zu präsentieren. Diese Fotos wurden uns dann am Abend vorgelegt (insgesamt 30 Stück) und wir mussten diese bewerten; das heißt, man wusste nicht, von welchem Barista das Foto war. Und der Barista war nicht so nervös wie auf der Bühne. Es waren wirklich tolle Bilder dabei“, berichtet Agnes begeistert.

Obwohl es also dieses Jahr nichts wurde mit dem großen Finale, zieht Jurorin Agnes doch ein durchweg positives Fazit von der Weltmeisterschaft in Maastricht: „Ich habe auf jeden Fall viele neue Eindrücke gewonnen, tolle Leute aus der internationalen Kaffeebranche kennengelernt und leckeren guten Kaffee getrunken.“ Und darum dreht es sich ja schließlich.


Weitere Informationen finden sich auf der offiziellen Homepage
http://scae-events.com/
und auf www.scae.com.

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